Im September führte uns ein Origin Trip nach Ecuador und Peru – eine Reise, die uns einmal mehr gezeigt hat, dass es nicht den einen Weg gibt, hervorragenden Kaffee zu produzieren. Die Bedingungen, Prozesse und Hintergründe auf den beiden Farms, die wir besucht haben, könnten unterschiedlicher fast nicht sein – und dennoch entstehen an beiden Orten Kaffees, die uns und euch jedes Jahr aufs Neue begeistern.
Ecuador – Präzisionsarbeit in den Anden
Unsere Reise startete in Cuenca, einer idyllischen Kleinstadt auf rund 2'500 Metern Höhe. Die erste Station war Cuenca, wo CafExporto seinen Hauptsitz hat. Das Unternehmen wurde von Juan Peña – einem ehemaligen Rosenproduzenten und Ingenieur mit starkem Fokus auf Agronomie und Technologie – zusammen mit Philip Smith gegründet. Philip, eigentlich aus den USA nach Ecuador gekommen um eine «abenteurliche Pensionierung» nach einer Karriere im Venture Capital zu geniessen, unterstützt heute vor allem den geschäftlichen Teil und begleitet CafExporto seit vielen Jahren. Gemeinsam haben sie ein Modell aufgebaut, das stark von Ingenieursdenken und Daten geprägt ist.
Im Headquarter – Produktion unten, Büros und ein heller Cupping-Raum oben – wird viel Wert auf Wissen gelegt. Alle Mitarbeitenden besuchen regelmässig Cupping-Kurse – auch jene, die eigentlich in der Buchhaltung oder auf der Farm arbeiten. Das schafft ein gemeinsames Verständnis für Qualität und führt zu einem Team, das weiss, warum jedes Detail zählt. Während unseres Besuchs cuppten wir gemeinsam mit einer Gruppe aus Singapur und Malaysia – ein spannender Austausch über Wahrnehmung, SCA-Punkte und Vorlieben.
Auf dem Weg nach La Papaya
Nach rund drei Stunden Fahrt gemeinsam mit Juan und Cristina Yerovi, die als Administrative Director seit über elf Jahren eine der wichtigsten Rollen im Unternehmen innehat, erreichten wir die Finca La Papaya. Der Abend endete mit einem sehr amerikanischen Abendessen aus Peanut-Butter-and-Jelly-Sandwiches und Chips. Am nächsten Morgen zeigte uns Juan das Herzstück seines Betriebs – einer der technologisch spannendsten Farmen, die wir je besichtigen konnten. Juan führte uns über die Felder und durch die Produktionsräume. Das Konzept der Farm lässt sich am besten als «Precision Farming» beschreiben:
- Sensoren im Boden messen in Echtzeit Nährstoffe und Feuchtigkeit. So können Dünger und Wasser präzise und nach Bedarf zugeführt werden. Die gesamte Farm mit rund 35'000 Pflanzen wird über ein modernes Drip-Irrigation-System versorgt.
- Krankheiten wie Pilzbefall werden erkannt und kartographiert, bevor sie sich ausbreiten – inklusive Alarmfunktion im Dashboard.
- In einer genetischen Bank wachsen hunderte Sorten – Laurina, Sidra, Ethiope und viele mehr. Sie dient dazu, Samen zu produzieren, Nährstoffprofile zu testen und neue Erkenntnisse direkt in die Bewirtschaftung zu integrieren. Einige dieser Sorten werden auch mit anderen Produzierenden geteilt, etwa mit den Lasso-Brüdern von El Diviso aus Kolumbien [Link?].
Die Region selbst wäre ohne Technologie kaum für hochwertigen Kaffee geeignet. Kaffee wird in dieser Region nicht wegen idealer Bedingungen angebaut, sondern weil Technologie es möglich gemacht hat. Regen fällt nur ein paar Monate im Jahr, die hochwertigen Pflanzen reagieren empfindlich auf Krankheiten, und ohne Bewässerung und präzise Nährstoffsteuerung wäre der Ertrag minimal. Trotzdem: Die Qualität, die hier entsteht, spricht für sich. Und die Technologie, die hier getestet wird, wird zukünftig für immer mehr Farms Standard sein.
Cuenca und Umgebung
Zum Abschluss verbrachten wir noch Zeit mit Philipp in der Region Cuenca – wanderten auf dem Hochplateau bei Tres Cruces, besuchten ein berühmtes Fischrestaurant in den Bergen und genossen die entspannte Atmosphäre dieser Stadt. Auffällig für eine Kleinstadt aber wenig überraschend für diese Kaffeeregion: viele ausgezeichnete Specialty-Cafés mit ecuadorianischem Kaffee und motivierten Baristas und Röster*innen. Ecuador hat uns überrascht: technisch, ambitioniert, herzlich.
Peru – Specialty Coffee als Familiensache
Von Ecuador ging es weiter nach Chiclayo in Nordperu – eine lebhafte Stadt, etwas chaotischer, definitiv heisser und ein guter Startpunkt für alles, was weiter im Landesinneren liegt. Von dort nahmen wir den Bus über kurvige Bergstrassen nach Jaén, wo wir – im Gegensatz zu Cuenca – die einzigen Gringos weit und breit waren.
Bei Origin Coffee Lab
In Jaén besuchten wir Origin Coffee Lab (OCL), bereits seit mehreren Jahren ein guter Partner für uns, wenn wir Kaffee aus Peru sourcen. Das Team dort röstet täglich hunderte Muster, analysiert sie, sortiert sie nach Qualitäten und arbeitet eng mit Produzent*innen aus drei Regionen zusammen. Pepe José Rivera führte uns durch das Labor und die Lagerhäuser, und wir erhielten einen guten Einblick in die Arbeitsweise von OCL.
Was uns besonders beeindruckt hat, war ihre klare Mission:
- Sie zahlen Qualitätsprämien, die deutlich über dem lokalen Marktpreis liegen – damit Produzent*innen langfristig vom Qualitätskaffee leben können.
- Sie vermitteln wirtschaftliches Wissen und landwirtschaftliche Best Practices, damit Betriebe profitabel und stabil werden.
- Sie legen grossen Wert auf Transparenz und geben ihren Käufer*innen detaillierte Preisaufschlüsselungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- Sie investieren regelmässig in Infrastruktur – etwa in neue Lagerhäuser, Sortieranlagen oder modernere Maschinen.
Während eines gemeinsamen Cuppings diskutierten wir mit dem Team über aktuelle Herausforderungen. Die hohen Marktpreise führen dazu, dass manche Produzierende weniger stark in Qualität investieren, da in letzter Zeit selbst mittelmässiger Kaffee gute Einnahmen bringt. Für andere hingegen ist Qualität eine Überzeugung, unabhängig vom Markt.
Besuch bei La Confianza
Am nächsten Morgen brachen wir um fünf Uhr früh nach Alto Pirias auf, gemeinsam mit Mitarbeitenden von Origin Coffee Lab. Auf Don Angels Farm angekommen, erwartete uns ein herzhaftes Frühstück: Reis, Fleisch und Yuca. Danach ging es durch das kleine und sehr einfache Dorf direkt aufs Feld, begleitet von Don Angel, seinem Sohn Damian und einer ganzen Reihe von Verwandten, deren genaue Familienzuordnung wir nach kurzer Zeit aufgegeben hatten.
Die Familie lebt Kaffee – alle acht mittlerweile erwachsenen Kinder Don Angels sind in irgendeiner Form involviert. Damian zeigte uns seine Fermentationstanks (in einem davon gerade ein Geisha, 70 Stunden fermentiert) und die Trocknungsräume. Gemeinsam mit dem Team von Origin Coffee Lab und den Produzierenden sitzen wir im Anschluss an die Farm-Tour vor dem Haus und sprechen über die Geschäfte. Damians Ambitionen sind beeindruckend: Er will Neues ausprobieren, besseren Kaffee produzieren, experimentieren und sich besser vermarkten. Die Mitarbeitenden von OCL stellten viele Fragen, gaben Hinweise und diskutierten offen über mögliche Verbesserungen. Man spürt hier eine enge, respektvolle Zusammenarbeit.
Die Arbeit auf La Confianza hat etwas Bodenständiges und Familiäres, das einen starken Kontrast zur datengetriebenen Präzision bei La Papaya in Ecuador bildet – und gerade deshalb so interessant ist. Zwei Welten, zwei Herangehensweisen, aber beide mit einer klaren Motivation: bessere Qualität, Jahr für Jahr.
Zwei Farmen, zwei Philosophien
Unsere Reise hat uns gezeigt: Es gibt nicht die eine richtige Art, Kaffee zu produzieren. Auf La Papaya in Ecuador entsteht Qualität durch Technologie, Daten und Präzision. Auf La Confianza in Peru dagegen durch Gemeinschaft, Beständigkeit und Handwerk.
Café-Tipps in Peru
- Florencia & Fortunata (Cusco)
- Buscano Nombre Specialty Coffee (Cusco)
- Three Monkeys (Cusco)
- Milimétrica Coffee (Lima)
- Caleta Dolsa Coffee (Lima)
- Mérito (Lima)
- Punto Café (Lima)
- Oso Café (Arequipa)
- Latente Specialty Coffee (Ollantaytambo)
Café-Tipps in Cuenca
- C41 Coffee Lab
- Slow Brew Coffee Shop
- Sinfonía Tostaduría y Cafetería
- Cafeteria de especialidad Nana Coffee