Two specialty coffee farms in Taiwan's Alishan Mountains

Two specialty coffee farms in Taiwan's Alishan Mountains

Taiwan, Travel Report

Unser Kaffee aus Taiwan, Yangui, überrascht noch immer viele unserer Kund*innen. Für die meisten ist Taiwan vor allem für Oolong-Tee bekannt – nicht für Kaffee. Doch unser florale, teeartige Geisha von Yangui ist inzwischen für viele von euch zu einem festen Favoriten in unserem Sortiment geworden.

Nachdem Fabian und Seraina die Farm Yangui Coffee Manor 2024 besucht hatten, wurde Yangui zu einem noch grösseren Favoriten von uns. Zwei Jahre später reiste Dennys erneut auf die Insel – diesmal gemeinsam mit seiner Frau –, um zu sehen, wie sich die Farm entwickelt hat und um weitere Farms in der Region Alishan zu besuchen. Es war Dennys’ drittes Mal in Taiwan, aber sein erster Besuch bei Yangui Coffee Manor. Für seine Frau war es sowohl die erste Reise nach Taiwan als auch die erste Begegnung mit der taiwanischen Kaffeeproduktion – und dieser frische Blick von aussen brachte eine wertvolle Aussenperspektive mit sich.

Neben Yangui besuchte Dennys auch Zhuang Xuan Yoifo Coffee – eine junge Farm, mit der wir bisher noch nicht gearbeitet haben und die wir bisher noch nicht besucht hatten.

Hier ist Dennys' Reisebericht:

Von Taichung in die Berge von Alishan

Kaffee wächst in Taiwan hoch oben in den Bergen – oft auf Feldern, auf denen früher Tee angebaut wurde. Je weiter wir von Taichung aus hinauffuhren, desto schmaler und kurviger wurden die Strassen. Ein richtiges Fahrvergnügen! 

Auch mit dem Timing hatten wir Glück: Wir kamen kurz nach Einbruch der Dunkelheit an, sodass nur wenige Minuten der Bergfahrt im Dunkeln stattfanden. Unsere Unterkunft war eine wunderschöne Lodge mit viel Holz im Inneren, geführt von Einheimischen aus dem Tsou-Stamm. Zum Glück reichten die grundlegenden Chinesischkenntnisse meiner Frau aus, um uns mit den Gastgebern zu verständigen.

Wiedersehen mit Neil vom Taiwan Coffee Laboratory

Am nächsten Morgen trafen wir Neil vom Taiwan Coffee Laboratory (TCL). Neil war unserem Team erstmals während Fabian und Serainas Reise zu taiwanischen Kaffee-Farms begegnet, später trafen wir uns erneut an der World of Coffee in Busan im Jahr 2024. In Alishan arbeitet er eng mit lokalen Produzierenden zusammen und ist eine wichtige Stimme in der regionalen Specialty-Coffee-Szene.

Lokale Partner*innen wie Neil dabei zu haben, macht einen grossen Unterschied. Er half nicht nur bei der Organisation und Logistik, sondern erklärte uns auch, warum bestimmte Varietäten angebaut werden, weshalb die Kaffeebäume auf eine bestimmte Weise geschnitten werden, wie die Geschichte des Teeanbaus die heutige Kaffeeproduktion prägt – und viele weitere Details, die helfen zu verstehen, wie Kaffee in dieser Region produziert wird.

Yangui Coffee Manor

Der Besuch bei Yangui fühlte sich ein wenig an wie die Neuentdeckung eines schon gut bekannten Kaffees. Wir begannen mit einem Cupping von drei frühen Samples der neuen Ernte. Eigentlich hätte die Ernte bereits begonnen haben sollen, doch dieses Jahr ist die Saison ungewöhnlich spät – ein Hinweis darauf, wie stark klimatische Veränderungen selbst kleine Hochland-Farms in Taiwan beeinflussen. 

Wir spazierten über die Farm und schauten uns verschiedene Varietäten sowie die relativ kurz geschnittenen Kaffeebäume an. Ein grosser Teil der Fläche wurde früher für Oolong-Tee genutzt, und diese landwirtschaftliche Vergangenheit ist überall sichtbar. Die Verbindung zwischen Tee und Kaffee ist in Alishan allgegenwärtig – man kann sie sogar schmecken.

Zum Mittagessen gab es Gerichte im Tsou-Stil: Tofu, Jade Jelly, verschiedene Gemüse- und Fleischgerichte – alles sehr lokal. Der Besitzer von Yangui, Fa'ei Poitsonü (Han-Wen Pu), ist inzwischen eine wichtige Figur in der taiwanischen Specialty-Coffee-Szene geworden. Trotzdem ist er genau so bescheiden und humorvoll geblieben, wie wir ihn kennengelernt haben.

Zhuang Xuan Yoifo Coffee

Unser zweiter Farmbesuch führte uns zu Zhuang Xuan Yoifo Coffee. Es wurde Kaffee gebrüht, auf der Farm gewachsene Bananen serviert – und danach folgte, wie so oft, ein Cupping.

Zhuang Xuan Yoifo wird von einem jungen Produzenten geführt, der die Farm seiner Familie nach und nach übernimmt. Die Familie gehört ebenfalls zum Tsou-Stamm, und schamanistische Traditionen spielen im Alltag weiterhin eine Rolle. Die Felder sahen ganz anders aus als bei Yangui: hohe, grosse und dicht stehende Kaffeebäume, deren Äste sich berührten.

Um den oberen Teil der Farm zu erreichen, sprangen wir auf die Ladefläche eines Pick-up-Trucks. Meine Frau war verständlicherweise etwas zögerlich, doch nach einer kurzen – und ziemlich holprigen – fünfminütigen Fahrt bergauf strahlte sie über beide Ohren. 

Zhuang Xuan Yoifo exportiert noch nicht lange Kaffee und ist international bisher relativ wenig bekannt, doch die Farm ist eindeutig auf einem guten Weg an die Spitze. So wurde der Kaffee auch schon an Blue Bottle verkauft – ein starkes Signal dafür, wohin die Reise gehen könnte. 

Auch wenn wir normalerweise darauf fokussiert sind, bestehende Partnerschaften zu vertiefen, statt ständig nach etwas Neuem zu suchen, war es uns wichtig, junge Produzierende wie Zhuang Xuan Yoifo kennenzulernen. Nur so lässt sich die Kaffeeproduktion in Taiwan wirklich als Ganzes verstehen. 

Landwirtschaft im Kontext

Während unserer Zeit zusammen teilte Neil unglaublich viel Wissen über taiwanischen Kaffee, landwirtschaftliche Entscheidungen und den grösseren agrarischen Kontext. Besonders auffällig war, wie stark das gesamte Umfeld miteinander verbunden ist. Alishan und seine Kaffeekultur werden geprägt von:

  • Oolong-Tee als traditionelles Rückgrat der Landwirtschaft
  • Kaffee-Varietäten wie Geisha, Typica und SL34, die für hochwertige Kaffees bekannt sind
  • dem Anbau von Betelnuss, der bei starken Regenfällen die Bodenerosion verstärken kann

Diese Zusammenhänge zu verstehen, hilft nicht nur dabei zu begreifen, wie Kaffee in dieser Region produziert wird – es verändert auch, wie uns der Kaffee später schmeckt. Ein Teil dieser Perspektive möchten wir immer auch mit unserer Community in Bern teilen. 

Zurück nach Taipei

Nach zwei Nächten in den Bergen fuhren wir zurück Richtung Taipei und tauchten sofort wieder ins Stadtleben ein: Nachtmärkte, Tempel, endloses Street Food und Austernomeletts, die eigentlich ihren eigenen Fanclub verdienen. Ein starker Kontrast – und ein passender Abschluss für eine kurze, aber sehr eindrückliche Reise.

Zum Schluss

Kaffee-Farms persönlich zu besuchen und Zeit mit den Produzierenden zu verbringen, ist für uns als Rösterei immer eine besonders bereichernde und motivierende Erfahrung. Wie immer kamen wir mit mehr Verständnis, mehr Respekt und einer noch stärkeren Verbindung zu den Kaffees, die wir jeden Tag rösten, nach Bern zurück – und wir freuen uns schon auf einen Besuch der Produzierenden bei uns in der Rösterei.

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