Obwohl es in Brasilien auch viele kleinere Farmen gibt, sind einige der grössten Kaffee-Farms (und andere) der Welt in diesem Land. Wir kaufen zwar nicht von den wahren Megafarmen, doch auch die brasilianischen Farmen, mit denen wir in den letzten Jahren zusammengearbeitet haben, sind definitiv grösser als die durchschnittliche Kaffeefarm in anderen Ländern, von denen wir Kaffee kaufen.
Kaffee wird in Brasilien oft maschinell geerntet. Das mag zwar weniger romantisch klingen als die Ernte von Hand, aber es gibt keinen Grund, maschinell geernteten Kaffee zu meiden. Bei richtiger Anwendung der Maschinen können diese Kaffees genauso gut schmecken wie handgepflückte. Bei unserem Besuch auf der Fazenda do Salto zeigte uns der Kaffeebauer Otávio die Erntemaschinen und erklärte uns im Detail, wie diese funktionieren. Er erläuterte weiter, dass sie die Feineinstellung der Maschinen jeden Tag überprüfen und leicht anpassen müssen, um sicherzustellen, dass die Kaffeepflanzen nicht darunter leiden.
Während ein Mensch, der Kaffee pflückt, zwischen reifen, fast reifen und überreifen Kaffeekirschen unterscheiden kann, können maschinelle Erntemaschinen dies nicht mit der gleichen Präzision. Daher ist die anschliessende Sortierung des Kaffees entscheidend. In Brasiliens mechanisierter Kaffeeindustrie wird auch dieser Schritt grösstenteils mit Maschinen durchgeführt. Dasselbe gilt für das Trocknen des Kaffees nach der Verarbeitung in mechanischen Trocknern oder den Transport des Kaffees von einer Maschine zur nächsten, beispielsweise zum Mahlen nach dem Trocknen.
Auf Brasiliens Grossfarmen ist ein höherer Automatisierungsgrad erforderlich, um die Produktion effizient zu steuern. Doch seien wir ehrlich: Die Kaffeeernte von Hand gehört zu den strengsten und beschwerlichsten Arbeiten in der Kaffeeindustrie (und darüber hinaus). Kein Wunder also, dass es für die Produzierenden in vielen Kaffeeanbaugebieten immer schwieriger wird, Saisonarbeiter*innen für diese Arbeit zu finden. Wenn diejenigen Jobs, die verständlicherweise immer weniger Leute ausüben wollen, zu einem Teil durch Maschinen ersetzt werden, ist das aus unserer Sicht eine positive Entwicklung.
Eine weitere Besonderheit Brasiliens als Produktionsland ist der Forest Code. Das brasilianische Umweltgesetz schreibt vor, dass Farmen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Anbaufläche als gesetzliche Schutzgebiete ausweisen müssen, um eine nachhaltige Ressourcen-Nutzung sowie die Wiederherstellung der einheimischen Vegetation und Artenvielfalt zu gewährleisten. Dieses Land, das beispielsweise 20% einer Farm ausmachen muss, darf nicht für den Anbau von Nutzpflanzen genutzt werden. Der erforderliche Prozentsatz richtet sich nach dem Biom, in dem sich die Farm befindet. So müssen Kaffeefarmen in der Nähe des Amazonasgebiets deutlich mehr Land für den Naturschutz reservieren als solche weiter im Süden des Landes. Obwohl diese Regelung den Klimawandel nicht umkehren wird, sind wir überzeugt, dass mehr Gesetze zum Umweltschutz erforderlich sind, um auch Grosskonzerne zu verpflichten, ihren Beitrag zu leisten. Wir sind froh, dass wir mit Kaffeeproduzent*innen zusammenarbeiten, die deutlich mehr Land als Naturschutzgebiete ausweisen, als gesetzlich vorgeschrieben.